Zwischenstop auf den Kap Verden

Es ist Nacht und wir fliegen vor dem Wind in die Bucht. Der Wind hatte nochmal zu genommen und eine entsprechende Welle schiebt uns. Wir sehen viele Lichter und fragen uns, wo wir hier geschützt vor Anker gehen können. Ben am Radar, Andreas mit seinem Tablet als Plotterersatz, denn uns fehlen für hier die Seekarten. Sven mit dem Fernglas. Als wir dann endlich die Hafenmole identifizieren, geht es uns besser. Dahinter ist die Welle weg. Der Anker fällt spät, dennoch sitzen wir noch lange da und genießen diesen Moment, es geschafft zu haben.

Am Morgen haben wir eine Verabredung mit Milan, einem deutschen Segler, der hier vor 10 Jahren hängen geblieben ist. Er bringt Jimmy mit, einen Portugiesen, der hier einst geboren wurde. Die Kap Verden waren bis Mitte der 1970er portugiesische Kolonie. Jimmy hat eine Autowerkstatt und kennt auch sonst alle, die uns helfen können. Ben hat einen Plan gezeichnet mit genauen Maßen. Das wichtigste ist die Ruderachse für unser Hilfsruder – 40mm. Jimmy muss schauen, ob er das Maß findet. Er meldet sich. Wir klarieren ein und warten auf Nachricht. Das erlösende Telefonat verspricht ein neues Ruder bis zum nächsten Tag. Wir sind happy. Kaufen ein, schauen uns die Stadt an und abends treffen wir noch mal Milan mit einem Freund. Es wird ein spannender Abend. Wir lernen viel übers Hochseeangeln und das Leben hier.

Um 8 Uhr am Morgen haben wir einen Termin mit Jimmy. Er will das Ruder uns schon mal zeigen. Er hat es aber nicht dabei, sondern nimmt uns mit dem Auto durch die Stadt zu seiner Garagenwerkstatt. Dort präsentiert er uns stolz sein Werk und und ist enttäuscht, als wir als erstes das Rohr, das die Achse darstellt, nachmessen. Schöner Mist. Es sind nicht 40mm, sondern 42mm. Nun ist die Stimmung im Keller. Was tun? Am Ende einigen wir uns, dass er ein anderes Rohr mit 42mm abdrehen läßt und an das Ruder schweißt. Ganz glücklich sind wir nicht, auch sehen wir wie Bens Zeichnung und Bemassung verändert an der Wand hängt. So genau wird das alles hier nicht genommen.

Er bringt uns zurück zum Boot. Wir haben zu tun. Tanken, Wasser, Wäsche und Kleinigkeiten am Boot. Dann kommt das Ruder und wir fahren erstmal damit zum Boot. Es geht streng rein, die Bohrung für die Schraube ist nicht exakt, aber wir bekommen es hin und beschließen es so zu akzeptieren. Ich glaube auch Jimmy ist froh, dass wir zufrieden sind. Nun hoffen wir, dass das Ruder uns in die Karibik bringt und nicht wieder schwächelt.

Die Sonne war gerade hinter den spitzen Bergen verschwunden als wir unseren Anker aus dem Sand ziehen. Wir sind startklar. Ein guter Schiebewind bringt uns nach Süden um die Inseln. Wir sind aufgedreht, aufgeregt. Es wird die bisher längste Etappe. Nun stehen seit vielen Stunden die ausgebaumte Genua und das Groß im 1. Reff. So sausen wir ohne Änderung mit meist über 6 kn dahin. 142 sm in den ersten 24 std verheißt eine schnelle Überfahrt. Nun wird gewettet an welchem Weihnachtstag wir wohl ankommen. Der Tag verfliegt. Mit viel schlafen und dösen. Es ist merklich wärmer geworden. Der Mond wird immer voller, die Nächte dadurch heller. Wir sind nicht alleine hier draußen. Über Funk hatten wir heute 2 Segler gesprochen, die mit uns unterwegs sind. Dazu kommen 2 andere in Sichtweite. Das heißt nun, etwas mehr aufpassen. Aber auch ein gutes Gefühl, hier in der Weite des Ozeans nicht alleine zu sein.

 

 

One thought on “Zwischenstop auf den Kap Verden

  1. Ich wünsche Euch, dass die Windfahne durchhält. – Habe vor langer Zeit mal einen Bericht über eine Steuerung gelesen, bei der die Schoten der Passatsegel so geführt werden, dass sie an der Pinne ziehen und damit das Schiff auf Kurs halten. Aber so etwas braucht Ihr nicht, wenn die Windfahnensteuerung in Funktion bleibt.
    Delphine mit Meeresleuchten habe ich in 48 Jahren Hochseesegeln nur ein einziges Mal gesehen: Unvergesslich!!! Welch ein Glücksmoment für Euch!!!
    Alles Gute
    Gotthard

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