Wir küssen Südamerika

Wir sind da. Kolumbien ist das erste Festland, das wir auf dem neuen Kontinent bereisen. Wieder einmal kommen wir sehr müde und ausgelaugt nach vielen Tagen Bootsarbeiten, Vorbereitungen, Proviantierung und zwei Nachtfahrten in Cabo de la Vela an. Dabei hatten wir uns die Fahrt eigentlich etwas entspannter vorgestellt, da wir in Curacao eine neue Mitfahrerin für die Strecke an Bord genommen haben, die uns bei den Nachtwachen und der Kinderbetreuung helfen sollte. Leider litt die liebe Gwendoline ziemlich an Seekrankheit, so dass wir sie nicht häufig zu Gesicht bekamen und deshalb auch nur begrenzt einsatzfähig war. Wieder einmal fragten wir uns auf See, warum wir uns das immer noch antun. Ben hatte akuten Schlafmangel und Javik reierte am zweiten Tag doch tatsächlich das ganze Cockpit voll. Es gibt wahrlich schönere Momente!

Zum Beispiel als wir das erste Mal das Festland erblickten, früh morgens, wir konnten es erst gar nicht glauben, sahen wir zwischen den Wolken die schneebedeckten Anden vor uns erscheinen. Der Anblick von Schnee bei der tropischen Hitze ist schon sehr unwirklich. Begleitet von Delfinen näherten wir uns der Küste Kolumbiens und erwischten sogar noch einen Fisch fürs Mittagessen.

Wir ankerten in der Bucht von Cabo de la Vela. Eine kleine indianische Siedlung mitten im Outback. Sanddünen, Wüste, karge Berge und die deutsche Kite- und Surfschule von dem etwas schrulligen Etto. Mehr gibt es hier nicht. Zusammen mit unseren Freunden, der 7seas, waren wir die einzigen zwei Boote in der Bucht. Die meisten Segler fahren gleich durch nach Santa Marta. Wirklich ein Jammer, wie wir finden. Die Landschaft lädt ein zum Wandern und der beständige Wind am Nachmittag zwingt einen fast dazu, surfen zu gehen. Essen und Trinken sind überaus erschwinglich (ein Bier für 14 Cent), auch wenn es nicht allzu viel gibt. Die Einheimischen sind überaus freundlich und schier hingerissen von unseren kleinen Blondschöpfen.

Nach einer weiteren Nachtfahrt erreichten wir die fünf Buchten vor Santa Marta, die zum Tayrona National Park gehören. Kleine Sandstrände vor Bergen mit Regenwald reihen sich hier aneinander. Leider erwischte hier die ganze Familie eine Grippewelle, so dass wir nicht allzu unternehmungslustig waren. Die Vielseitigkeit des Landes von Kolumbien ist jetzt schon erstaunlich und wir freuen uns darauf, wenn wir in Santa Marta angekommen sind, auch das Landesinnere zu erkunden und das Boot mal für längere Zeit zu verlassen.

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