Städtetour Teil I – Porto

Nach der Ankertour in den spanischen Rias freuten wir uns darauf, wieder einmal ein bisschen Stadtluft zu schnuppern. Eine richtige Dusche tat uns derweil auch mal ganz gut. Außerdem musste der Kühlschrank dringend gefüllt werden. So verließen wir unser liebgewonnenes kleines Paradies der Islas Cies und hissten die Segel Richtung Portugal. Den ersten Stopp wollten wir in Viana do Castelo einlegen, damit die Strecke nach Porto nicht ganz so lang ist. Die kleine Stadt entpuppte sich unerwartet als kleine Perle und wir blieben gleich einen Tag länger als geplant. Eine tolle Kirche auf dem Stadtberg wollte erklommen werden – wir zählten in unterschiedlichen Sprachen bestimmt über 780 Stufen – und die nette Altstadt lud uns abends zum Tapas essen ein. Portugal ist vergleichsweise günstig was essen und trinken angeht. So lässt es unsere Bordkasse, zur Freude von Ben, endlich auch mal zu, die Landesküche kennen zu lernen.

20160921-Viveiro-55

Auf der Weiterfahrt begleiten uns erneut Delfine und viele Fischerfähnchen, die umfahren werden müssen. Bisher entpuppt sich die eher mit schlechtem Ruf geprägte Küste Portugals aufgrund der Atlantikdünung und den schwer anzulaufenden, rah gesähten Häfen als Windloch! Wir motoren erneut und werden von der knapp zwei Meter langen Welle ordentlich durchgeschaukelt. Da hilft kein Stützsegel oder Kursänderung. Als dann noch erneut dichter Nebel alles verhüllt und das Navigieren um die vielen teils schlecht markierten Fischerfähnchen zur Konzentrationsarbeit macht, sind wir froh endlich Porto anlaufen zu können. Steffi hat sich seit längerem in die Kabine verzogen, da es doch recht feucht kalt wird und die lange, triste Motorfahrt auch die Kinder draußen langweilt.

Wir legen uns in einen Vorhafen von Porto, Leixoes, der vermutlich aufgrund des dreckigen Hafenwassers günstiger ist, aber dafür einen schönen Sandstrand direkt hinter der Hafenmauer bietet. In die Stadt bringt uns der Bus, der unmittelbar vor der Marina abfährt. Doch bevor wir Porto erkunden, ziehen uns die Wellen der Atlantikküste an, und wir buchen für die ersten zwei Tage für jeden von uns einen Bodyboardkurs. Wir stellen beide fest, dass es gut tut, sich auch nochmal mit etwas anderem als Boot und Segeln und Kindern  zu beschäftigen. Und die paar Stunden des Kurses einfach mal für sich zu haben. Javik ist aber begeistert vom Brett und wir beschließen beim nächsten Sportladen unser Boot mit mehr Equipment zu beladen. Javiks Kabine beherbergt nun also auch noch ein Bodyboard.

 20160925-Porto-23
 20160925-Porto-26
 20160924-Porto-26

Im Hafen liegen neben einigen bekannten Crews auch wieder nette und interessante neue Segler. Inzwischen trifft man in den Häfen vorwiegend Langfahrer und so kommt man mit jedem direkt ins Gespräch. Es ist ganz erstaunlich wie unterschiedlich doch alle unterwegs sind. Alter, Boot, Route, Vorstellungen und Erwartungen sind höchst verschieden. Inzwischen haben wir gemerkt, dass aufgrund der großen Unterschiede es nicht eine Lösung oder z.B. „die Route“ gibt. Unsere Vorliebe liegt auf jeden Fall in der Natur und dem Ankern. Vor allem einsame Inseln strahlen immer eine besondere Anziehungskraft auf uns aus. Letztendlich sind es diese Spots, die ein eigenes Boot zum Hinkommen ja fast obligatorisch machen und somit den ganzen Aufwand rechtfertigen. In einem Stadthafen zu liegen ist für uns mit einem Boot also nicht recht der wahre Genuss. Vor allem wenn es so stinkt wie in Leixoes! So sind wir umso mehr erstaunt, als wir bei Abfahrt doch urplötzlich neun Nächte zu bezahlen hatten! Wie die Zeit doch vergeht – so schlimm war das im Hafenliegen also wohl doch nicht 😉

20160924-Porto-8
Der Stadt Porto statten wir sogleich an zwei Tagen einen Besuch ab. Wir haben längst nicht alles gesehen, zugegeben eher weniger. Zu langsam sind wir mit unserem Kindergespann in der Stadt unterwegs. Junus will mittlerweile doch etwas mehr Auslauf haben und quakt in der Trage, wenn wir ihn zu lange umgeschnallt lassen. Und Javik bleibt an jeder Gießkanne stehen und fragt sein obligatorisches: „Was ist daaaaaas????“ Trotzdem hinterlässt Porto bei uns einen bleibenden Eindruck und ist sicherlich eine sehr sehenswerte Stadt, die es lohnt, auch länger zu besuchen. Uns zieht es nun aber erst einmal weiter. Das nächste Ziel ist Lissabon. Dort erwarten uns die ersten großen Pakete mit neuem Bootsequipment für die Atlantiküberfahrt. Doch bevor es ans große Basteln geht, steht erst einmal eine größere Segeletappe über Nacht an. Irgendwie haben wir das „lange“ Tourensegeln seit der Biskayaüberquerung etwas verlernt. Wo hatten wir denn nur die Herdplatte und Javiks Swimmingpool immer im Boot verstaut?

20160922-Porto-2

img_1760

Kommentar verfassen