Los Roques

Abenteuer, Wildnis, Idylle, Fisch Fisch Fisch. So lässt sich ein Monat Los Roques zusammenfassen. Nur zwei nackte Piraten entern täglich unseren Mast, sonst wurden wir offenherzig und warm empfangen. Naja, reden wir mal nicht über die korrupte Coast Guard und das Militär – zum Glück verstehen wir kein Spanisch, vor allem nicht wenn wir irgendwelche Schmiergelder abdrücken sollen. Die Hauptinsel versprüht schon bei Ankunft einen wunderbaren Charme. Salsa Musik am Morgen und kleine bunte Häuser zwischen Sandpisten. Wir liegen im glasklaren, türkisen Wasser mit riesigen Fischen und unzählige Pelikane, die im seichten Wasser die Fischschwärme im Sturzflug attackieren. Noch ein gemischtes Gefühl aber angezogen von der Attraktivität und dem Charme der Insel geht es am frühen Morgen zum Einklarieren. Bei fünf Behörden müssen wir vorstellig werden, doch erst heißt es Geld wechseln. Niemand benutzt die Bank, der Wechselkurs ist zu schlecht, also schleppt uns die Immigration Dame auf den Dorfplatz in eine Apotheke. Der offizielle Schwarzmarkt Geldwechsel Pharmazeut muss schlucken als wir 140$ wechseln wollen. Er greift in einen großen Pappkarton und zaubert Bündel nach Bündel hervor, stapelt, zählt, zählt und zählt und füllt unseren Rucksack bis oben hin mit Scheinen. Das sollte erstmal reichen und wir entledigen uns von dem Geld beim abendlichen Restaurant Besuch. Naja, es fällt fast schwer das ganze Geld loszuwerden, wenn der Mojito 1,5$ kostet hat man eher Angst unterm Tisch zu liegen bevor der Rucksack voll Geld leer wird.

Zwei Tage bleiben wir vor dem schönen Dörfchen liegen und genießen Land, Leute und Küche. Dann weckt uns früh morgens die Coast Guard – es rückt ein Sturm an und wir werden aufgefordert, die recht ungeschützte Bucht umgehend zu verlassen. Es wird spannend, lässt der Blick zum Himmel mich doch recht zügig das Sat-Telefon hervorholen und das aktuelle Wetter abfragen. Der Sturm „Bred“ mit Potential zum Hurrikan hat seine Zugbahn über Nacht von Süd-Grenada auf Trinidad und Venezuela verändert. Nun werden wir von der Südseite geküsst und entschließen uns, sofort Anker auf zu gehen und uns in die nächste geschützte Lagune zu verschanzen. Punkt zwei Uhr dreht der Wind begleitet von einer dunklen Wolkenwalze auf, der Regen peitscht senkrecht übers Deck. Ich muss mich festhalten, wenn ich zum Anker zur Kontrolle krieche. Der Wind ist vergleichbar mit Fahrtwind auf der Autobahn. Die Lagune ist aber gut geschützt und nach den ersten Schreckstunden nimmt der Wind ab. Beruhigend, wird der Sturm erst morgens um 8 an uns vorbei gezogen sein. Als abends rundherum Gewitter aufzieht, beschließen wir unsere Machtlosigkeit anzunehmen und verkriechen uns in die Achterkabine. Kino-Abend!

Am nächsten Morgen ist der Spuk vorbei und die Lagune entpuppt sich mit ihren weißen Sandstränden und dem hunderte Meter langen knöcheltiefen Wasser als Glückstreffer. Die Strandbar rundet das Angebot an Vergnügungsmöglichkeiten ab. Am Strand lernen wir Willy kennen. Er wohnt auf der kleinen Insel Francisqui, die die Lagune nach Nordosten schützt, in einer kleinen Hütte. Er lädt uns früh am morgen bereits zu seinen auf offenen Feuer gebackenen Arepas mit Fisch ein und wir sind begeistert von seiner Offenheit und Gastfreundschaft. Er möchte mehr von uns erfahren und gleichzeitig sein Englisch aufbessern, außerdem ist seine kleine Tochter da und freut sich über Spielkameraden. Kurzum verabreden wir uns zum abendlichen Thuna-Grillen, den wir auf der Hinfahrt gefangen haben. Es wird ein schöner Abend und eine spannende Bekanntschaft. Wir wiederholen das Grillen die nächsten Tage.

Außerdem lernen wir Lotti in ihrem Stelzenhaus am Eingang der Lagune kennen. Das Haus stand bis vor wenigen Jahren noch auf einer Insel. Inzwischen ist der Sand weggewaschenund es wurden rechtzeitig Stelzen unter den Bretterboden gestellt. Das Haus ist traumhaft eingerichtet und der Blick aus jedem Fenster ist beneidenswert. Es stellt sich raus, das Lotti Kiten unterrichtet und uns packt die Vorstellung, von der Veranda direkt ins glasklar grünblaue Wasser zu starten. Geübt wird aber auf dem kleinen Sandhaufen neben dem Haus. Die Kids bauen Sandburgen auf dem 20qm Fleckchen Sand während wir beide abwechselnd Kiten lernen. Ein hartes Unterfangen und manche Nasenspülung brennt noch Stunden später. Dennoch scheint uns kein anderer Ort schöner und passender, um das zu lernen.

Mit der Zeit gehen unsere Vorräte zuneige und wir nutzen ein Schwachwindfenster, um uns noch einmal auf der Hauptinsel mit Gemüse und Obst zu versorgen und dann ins ungeschützte Südriff zu fahren. Nur Korallenbänke schützen einen im Süden vor der ranrollenden See. Das ganze Gebiet ist durchsäät von grün, braunen Korallenbänken, die sich so deutlich von dem tiefen Blau des restlichen Wassers abgrenzen, dass wir schnell die Karten beiseite legen und uns unseren Weg durch das Labyrinth per „Augapfel-Navigation“ bahnen. Auf die Karten ist seid Ankunft eh kein Verlass, sind wir doch schon häufig über vermeidliches Land gefahren. Wir ankern an der Riffkante und werden erschlagen von der Schönheit und Unberührtheit des Riffs. Es platzt schier vor Korallen und Fischen in allen Größen und Farben. Unser Abendessen ist also schnell gesichert und wir verbringen magische Tage in Einsamkeit. Riffe, Sandhaufen und eine kleine Mangroveninsel nennen wir unser Zuhause.

Wir lieben dieses Fleckchen Erde und werden bei jeder Begegnung mit Einheimischen oder Touristen aus Caracas trauriger, nicht das Festland aufgrund der politischen Lage besuchen zu können.

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