Galiziens Buchten

Aus la Coruna auszulaufen, war wie ein kleines Zuhause hinter sich zu lassen. Unsere kleine „Reihenhaussiedlung“ am Steg haben wir richtig lieb gewonnen. Da nun aber alle langsam weiter ziehen und auch uns die Rias von Galiziens reizen, setzen wir erneut unsere Segel. Das Kap Finisterre ist nach zwei Tagen umrundet und wir biegen in die erste – vor der Atlantikwelle schützende – Bucht ein. Klarstes Wasser, grüne Hänge und ein Wahnsinns Sandstrand erwarten uns. Und Einsamkeit! Es vergehen die Tage und nur das Logbuch lässt uns im Nachhinein nachvollziehen, wie lange wir in den einzelnen Buchten vor Anker lagen. Wir ziehen von Strand zu Strand und erst als eine Gewitternacht heranzieht, suchen wir einen Hafen auf, um direkt darauf erneut vor einer der schönen Naturschutzinseln eine Bucht auf zu suchen.

Hiervon haben wir geträumt, als wir unser Boot ausrüsteten. Tagelang vor Anker liegen, mit dem Beiboot einsame Inseln und Buchten erkunden und dabei sich unterwegs im Boot zu Hause zu fühlen. Es mangelt uns an nichts, außer vielleicht ein bisschen Gesellschaft in den einsamen Buchten. Teilweise ist es gar gespenstisch. Alleine vor Anker mit Blick aufs offene Meer oder vor einer einsamen Insel mit verlassenem Schlösschen. Es ziehen immer wieder plötzlich dicke Nebelschwaden durch und lassen uns noch mehr wie auf einer einsamen Insel vorkommen.

Die Tage verschwimmen ineinander und wir kommen nach knapp drei Wochen an der südlichsten der Naturschutzinseln, der Islas Cies an. Hier warten wir wieder auf „alte“ Freunde, die leider noch etwas auf sich warten lassen. Wir erkunden die Insel also zunächst allein und „schleppen“ uns mit unseren zwei Kindern im Gepäck – Junus vor dem Bauch gespannt und Javik auf den Schultern sitzend – auf den höchsten Berg, der uns nach dem anstrengenden Anstieg einen grandiosen Blick Richtung Portugal beschert. Wir blicken in die weite Ferne und sind fasziniert von den anrollenden Atlantikwellen. Auf dem Weg hierhin haben wir entschlossen, den Sprung über den Atlantik in diesem Jahr tatsächlich zu wagen und die nächste Segelsaison in der Karibik zu verbringen. Der Blick auf den Atlantik lässt dieses Vorhaben noch unbegreiflich erscheinen. So weit ist unser neu gestecktes Ziel und doch zieht es uns immer weiter in die Ferne.

Uns bleibt nicht viel Zeit zum Sinnieren. Zunächst müssen wir Javik erst einmal wieder den Berg hinuntertreiben und totmüde ins Bett bugsieren. Erst in den späteren Abendstunden haben wir wieder etwas Zeit, unsere Atlantiküberquerung zu planen und vor allem zu organisieren. Ein bis zwei Mitfahrer müssen gefunden werden, da wir uns entschieden haben, dass eine Atlantiküberquerung dann doch kein Muss für kleine Kinder ist. Steffi und Kids werden deshalb auf den Kanaren zunächst aussteigen und den Sprung über den großen Teich per Flugzeug absolvieren. Außerdem muss das Boot MAL WIEDER entsprechend ausgerüstet werden und neue Bastelprojekte stehen an.

Aber noch ist es ja nicht so weit. Wir genießen erst einmal das Hier und Jetzt und verbringen wieder einmal mit unseren Seglerfreunden Tage am Strand und grillen zusammen kiloweise kleine Sprotten, die Steffi von einem in der Bucht liegenden Fischerboot erbettelt hat. Oder ausschlaggebend für das Geschenk waren die verlodderten zwei Kinder, die Steffi mit ins Schlauchboot gepackt hat, oder einfach nur Bens Haarschnitt. Vermutlich aber war es die Freundlichkeit der lächelnden Fischer, uns ein schönes Abendessen zu bescheren! So gefällt uns doch das Seglerleben!

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