Flaggenwechsel

Barbados, Martinique, Dominica, Guadaloupe… die Inselnamen und Staaten, die wir langsam nach Norden passieren reihen sich aneinander. Namen, mit denen man im Vorhinein nur vage Dinge verbunden hatte, vielleicht mal in einem Magazin einen Bericht gelesen, oder in anderen Reiseblogs erwähnt wurden. Jetzt liegen sie auch in unserem Kielwasser. Zusammen mit Erinnerungen an Buchten und Strände, Begegnungen, Klänge und Erlebnissen sowie hunderten von Fotos vermischen sich die letzen Wochen bereits jetzt teilweise zu einem Brei. Man muss schon die Namen der Buchten der Reihe nach aufzählen und das dort erlebte sich vor Augen führen, um den einzelnen Orten gerecht zu werden. Martinique verschwimmt zu einer Insel, doch in den einzelnen Buchten erlebten wir so unterschiedliches, dass die sortierten Fotos uns oft einiges erst wieder ins Gedächtnis rufen, und meistens lächeln und strahlen lassen.

Schöne Dinge haben wir erlebt. Meist die kleinen unerwarteten waren die, die sich noch immer „warm“ anfühlen. Das einsame Ankern im Süden von Martinique, der Bay de Salines. Die kleine Wanderung in der Grand Anse zu Junus Geburtstag. Meinen ersten gespeerten Barsch in St. Pierre und das anschließende Grillen am Strand. Mont Pelee im Nebel, aber ein Javik der unentwegt Stufen runter springen wollte und bei JEDER Stufe „hops“ rufen musste… es waren 2 Stunden! Grünster, dichter nasser Dschungel. Eine schreckliche Überfahrt nach Dominica, die zum Schluss mit zwei springenden Walen wieder wett gemacht wurde. Ein Strand-Barbeque in Porthmouth mit Livemusik, tanzen bis spät in die Nacht und zu viel Rum-Punch für Ben. Baden im Dschungel-wasserfall. Eine Traumüberfahrt zu den Iles de Saints und endlich wieder Baguette, schöne Strände und französisch-karibischer Charme. Tolle Abendstimmung mit einem Trompeter beim Sonnenuntergang und köstliches Sorbé von einem Straßenstand.

Ist es wichtig, wo man das genau erlebt hat? Nein, eigentlich nicht. Wir haben festgestellt, vieles was man sich ansehen „muss“, müssen wir auslassen. Entweder zu teuer, zu anstrengend, oder einfach zu wenig Zeit. Wir merken ,wie wir das Leben auf dem Schiff und in den verschiedenen Orten genießen, nicht das Abhaken der Must-Do´s und Must-See´s. So viele Dinge sollen schön und einzigartig sein. Wir stellen fest, für uns sind kleine Inseln mit schönen Stränden das, was wir suchen. Weiße Strände mit Palmen. Dschungel ist nett, aber ein Segelboot steht nicht im Dschungel, sondern in türkiesem Wasser und das wollen wir. Also auf nach Norden. Weiter als geplant zieht es uns zu den älteren Inseln. Antigua und vor allem Barbuda sind nun unser Ziel. Wiedermal zeigt sich, unser Reiseplan ist frei und wir lassen uns von Anderen und unserer Lust inspirieren.

Heute wollten wir von den Iles de Saintes östlich um Guadalopue. Eine kleine Naturschutzinsel zog uns an. Bei der Umrundung des ersten Kaps müssen wir den Kurs hart am Wind anlegen. Kurze Wellen machen das Fahren ungemütlich und aus den 5 Stunden bis zum nächsten Ziel würde eine lange Kreuzpartie werden, oder der Motor muss mithelfen. Steffi verzieht sich genervt in die Achterkabine, um Junus zu bespaßen. Ich probiere den Fischerfähnchen auszuweichen und gleichzeitig Javik, der verdächtig seekrank ruhig wird, zum schlafen im Cockpit zu überreden. Nach 10 Minuten beschließen wir abzudrehen und Guadaloupe im Westen zu passieren, wo es windgeschützt ist. Wir haben gerade einfach keine Lust auf unangenehmes Segeln. Als ich den Revierführer erneut studiere, merke ich, wie diese spontane Entscheidung gut tut, Lust macht auf die andere Strecke und frei zu entscheiden. Schließlich sind wir unterwegs, um schöne Dinge zu erleben, links rum wird’s die auch geben, wenn man sich drauf einlässt!

Kommentar verfassen