Auf in unbekannte Gewässer – Die Nordsee ruft

Ehrlich gesagt hatten wir doch sehr viel Respekt vor der Nordsee – ein uns bislang unbekanntes Revier. Wir stellten uns die Nordseeetappe mit viel Wind und hohen Wellen vor. In unserem Revierführer lasen wir zudem über die äußerst schwierige Ansteuerung der Nordseeinseln ab 5 Windstärken gegen Strom. Angesagt für die ganze Woche, in der wir fahren wollten, war natürlich 5 oder sogar mehr Wind und dann auch noch von West, also gegen uns. Wir checkten also stündlich die Wettervorhersage, in der Hoffnung, dass sich doch ein kleines Wetterfenster für uns auftut. Wir hatten Glück. Schneller als erwartet, änderte sich das Wetter für uns und wir planten unseren Törn von Cuxhaven nach Helgoland.

Morgens um 7 konnten wir mit der Tide auslaufen und nach sieben Stunden Fahrt bei tollem Sonnenschein waren wir tatsächlich auf Helgoland! Um der Seekrankheit von Javik vorzubeugen, hatte er diesmal kurz vor der Abfahrt ein Reisezäpfchen bekommen. Er verschlief die halbe Fahrt, so dass wir das Segeln mal etwas genießen konnten, da wir ja nur Junus zu bespaßen hatten.

Helgoland gefiel uns wirklich gut. Wir planten dort etwas länger zu bleiben und uns vor der nächsten großen Nordseeetappe etwas zu erholen. Der Wind meinte es aber diesmal zu gut mit uns und das nächste Wetterfenster für die Überfahrt nach Holland lag schneller vor uns als erhofft. Wir waren vor der Abfahrt sehr aufgeregt – die erste Nachtfahrt lag vor uns. Den ganzen Tag über war viel Wind und es hatten sich große Wellen vor der Insel aufgetürmt. Die Segler, die Helgoland erreichten, berichteten von 3 Meter hohen Wellen und waren in Schwer-Wetter-Montur gekleidet. Wir waren arg am Zweifeln, ob die geplante Abfahrt tatsächlich eine so gute Idee war.

Als ein anderer Segler den Hafen verließ, wagten wir es ebenfalls die Leinen los zu werfen. Javik bekam das bewährte Reisezäpfchen, ging eine Stunde nach der Abfahrt ins Bett und schlief durch bis zum nächsten Morgen. Auch Junus gefiel die Schaukelei und schlief kurz nach der Abfahrt bei mir auf dem Arm ein! Grandios! Wir genossen die Fahrt, die Wellen wurden immer weniger, der Wind leider auch, so dass wir den größten Teil der Strecke motoren mussten.

Die Wache hatten wir wie folgt eingeteilt: Bis 24 Uhr war ich am Steuern – oder eher gesagt nur am Gucken – zu tun gab es nämlich nix. Ben übernahm die Hundeschicht bis morgens um 6. Danach übernahmen Javik und ich Bilderbuch lesend die nächsten zwei Stunden. Viel Schlaf gab es für Ben also nicht und er war ziemlich groggy als wir dann endlich nachmittags in Lauwersoog passend mit der Tide einlaufen konnten.

Nun sind wir also da. In Holland oder „Pommesland“ wie Javik sagt. Bekanntes Gebiet für uns. Die Nordsee liegt erst mal hinter uns. Die nächsten zwei Wochen fahren wir entspannt und Wind unabhängig über die stehende Mastroute. Danach beginnt das nächste Abenteuer – englischer Kanal, wir kommen!

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