Atlantiküberquerung von Kap Verden nach Barbados – Unterwegs per Satellitentelefon

Update 22.12.2016

Das kleine Waffelfest und die Waschparade gaben ein wenig Erholung nach der Aufregung. Der Rest bringt die kleine Wetterpause und die Stimmung an Bord ist positiv. Barbados ist langsam greifbar. Dennoch hat mir die Nacht sehr zugesetzt und die nächsten Schlafphasen liege ich unruhig in der Koje. Der Schreck steckt in den Knochen, ist Feuer an Bord mitunter das Schlimmste was passieren kann. Ich bin in der Situation im Kopf alle Notmaßnahmen bereits durchgegangen. Glück gehabt, da nun auch Gewissheit besteht, dass nichts Schaden genommen hat. Ich bin sehr froh, auf dem Schiff zu dritt unterwegs zu sein. Ich hatte auch mal ins Auge gefasst, das Boot alleine zu überführen. In dieser Welle möchte ich nicht das Schiff unkontrolliert der See überlassen und stockfinster die Wellenberge runter rauschen, während ich den Innenraum nach einem Brandherd absuche. Die Tour ist selbst zu dritt bereits anstrengend und ich bin heilfroh für die Entscheidung, zwei weitere Crewmitglieder zu haben. Schließlich hat Andreas auch bereits zweimal den Atlantik überquert und weitaus mehr Erfahrung. Generell ist das Credo an Bord sicher anzukommen. Wir sind uns zum Glück einig, dass wir lieber nur mit einer winzigen Genua fahren, auch wenn mehr Segelfläche natürlich uns eher ankommen ließe. Vermutlich sind die starken Böen und die See aber ausreichend, um einem klar zu zeigen, Risiko ist hier nicht angebracht! Wir haben großen Respekt!

In der Nacht fängt es wieder an zu stürmen. Ausgiebige Starkwindschauer ziehen über uns hinweg. Zum Glück kann man die Böen und den Regen gut einschätzen, da die Wolken sich eindeutig auf dem Radar zeigen. Die See nimmt erschreckend schnell zu und die zweite Nachthälfte lässt uns in den Kojen umherschleudern. Ich zieh mir eine nette Beule am Kopf zu, Andreas wickelt sich ungewollt um die Maststütze. Nur Sven schafft es, wie immer halbwegs gut zu schlafen, trotz Getöse! Am Morgen werde ich von einem Brecher, der das Boot rumreißt und die Welle schräg runterschießen lässt, geweckt. Es knallt laut und ich schieße aus der Kabinenluke. Andreas probiert das Boot mit dem Steuer zu stabilisieren, die Windfahne hält den Kurs nicht mehr. Wir schauen uns an und ahnen es. Ich krieche aufs Heck und sehe das massive Hilfsruder gerade noch an der Sorgleine im Bugwasser hängen. Mist, ist unsere Notreparatur aus den Kap Verden auch gebrochen. Was da für Kräfte wirken müssen, um ein 40mm dickes Stahlrohr zu zerbrechen! Ich schneide die Sorgleine schnell los, um Schäden an der Windfahne zu vermeiden. Tschüss Ruder.

Erst jetzt registriere ich die See und die Ausmaße der Wellen. Die Gischt fliegt von den brechenden Spitzen und die Öberfläche kräuselt sich bei den durchrauschenden Böen. Ab jetzt wird per Hand gesteuert, da die Wellen ausgefahren werden müssen, bisher hatte das die Windfahne wunderbar gemacht. Sven hat als nächster Wache. Er muss mehr nach hinten schauen, um die Wellen gut ablaufen zu können, also auf den richtigen Kurs. Querschlagen wollen wir gerade nicht! Da kommt erneut ein Brecher, diesmal etwas schräger als die vorherigen, es tost neben uns und der Wellenkamm bricht an unserem Backbordbug, legt uns zur Seite und steigt über den Süllrand ins Cockpit. Der Schreck war größer als die tatsächliche Wassermenge. Wir hatte zum Glück ein Schapp im Niedergang, somit floss das meiste Wasser direkt durch die Lenzer ab. Das muss doch jetzt nicht 48 Stunden vor Ankunft sein! Über eine Mail von Steffi erfahren wir, dass eine 17m Yacht auf dem Weg nach Martinique Wasser genommen hat. Zwei Tanker und ein Segler hatten aufgrund des Seegangs große Mühe die Crew abzubergen. Ein Alptraum!

Wir teilen die Wachzeiten in zwei Stunden Rhythmen ein, wobei immer ein zweiter Mann im Cockpit döst. Die Wetterprognose lässt uns aber hoffen, dass ab dem Abend der Wind und die Welle sich endlich legen sollen. Es heißt Endspurt!

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