Atlantiküberquerung von Kap Verden nach Barbados – Unterwegs per Satellitentelefon

Update 20.12.2016 – Position 13°31N 53°33.5W

Hitze. Das erste Mal wird es drückend warm. Wir nähern uns der Karibik, der Wind hat heute zum ersten Mal seit Tagen nachgelassen und ab und zu lässt die Dünung, ein paar Stunden schaukelfreieres Leben an Bord zu. Unbeschreiblich, wenn man plötzlich merkt wie die Muskeln langsam realisieren, dass keine Gefahr des Wegrutschens und Umkippens besteht. Fast wie ein Erschlaffen. Leider nimmt zum Abend hin das Wetter wieder seinen gewohnten Lauf. Naja, wenigstens bleibt dann der Wind so, dass wir nicht motoren müssen.

Am Tag nach unserem vermeintlichen Brand im Motorraum, der sich als alter Rauch vom Motor herausgestellt hat, machten wir uns mittags an die Kontrolle der Maschine und der Reparatur. Vorher ließ die Welle gar nichts zu. Als erstes wurde die komplette Dieselzufuhr inklusive Filteranlage zerlegt. Durch die Tage des enormen Schaukelns rührte sich der Bodendreck des zu 2/3 leeren Tanks enorm auf, zusammen mit etwas Wasser und viel Luftblasen ergab sich ein Brei, der die Filter zusetzte. Alles gereinigt, neu mit sauberem Diesel aus Kanistern befüllt und entlüftet, startet der Motor sofort. Erleichterung, er schnurrt wie eh und je, nimmt das Gas an und macht keine weiteren Mucken. Da die Welle den Tank noch immer so durchschaukelt, bauen wir die Dieselzufuhr um und können nun direkt aus einem Kanister fahren. Schließlich benötigen wir den Motor bei dem Wind nur, wenn wir das Ankerfeld anfahren. Zuguterletzt stopfen wir einen alten Lappen in den Auspuff, natürlich mit Sorgleine, um ihn wieder rauszubekommen. So hoffen wir bei den noch immer teils tosenden Wellen aufs Heck, nicht erneut Wasser in den Auspuff zu bekommen. Hört sich nicht nach viel Arbeit an, der Nachmittag war aber gelaufen. Schweißgebadet aber glücklich über den Erfolg feiern wir uns im Cockpit.

Team Abenteuer bestreitet den nächsten Tag. Es fängt an mit einem vergeblichen Backversuch des Sauerteigbrots, der Backofen springt nicht an. Also Werkzeug wieder raus und ab aufs Heck zum Gaskasten. Verkeilt zwischen Fendern, in unmöglicher Sitzposition erstmal die Gasanlage auseinander nehmen. Es stellt sich raus, dass der in Porto Mogan neu eingebaute Gasdruckminderer klemmt. Ist aber schnell behoben und bald duftet es nach gutem Brot.

Dann erneut ein Alarm im Schiff: Wasser in der Bilge. Muss nichts schlimmes sein und erstmal abpumpen. Kurz darauf wieder Alarm. Wir machen uns auf die Suche. Der Fehler ist schnell gefunden. Für die lange Passage haben wir im Heck einen weiteren flexiblen Wassertank installiert. Da knapp die Hälfte bisher verwendet wurde, schaukelt der Wassersack ordentlich hin und her. An einer Stelle entdecken wir einen kleinen Riss, ein Rinnsal läuft direkt in die Motorbilge. Die beiden anderen Tanks sind noch unangebrochen, also verschwenden wir den  Tankinhalt, duschen und waschen. Problem gelöst.

Meine Güte, das waren zwei anstrengende Tage. Die Bedingungen fordern doch ihren Tribut. Nun sind es noch 350 Meilen, eine Biskaya Überquerung, ein Klacks. Bis dahin bleibt die Werkzeugkiste zu. Wir sind frohen Mutes und fangen an, unsere ersten Tage auf Barbados mit To-Do Listen zu füllen. Baden steht bei uns allen auf Platz 1.

Jetzt werden aber erstmal Waffeln gebacken.

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