Atlantiküberquerung von Kap Verden nach Barbados – Unterwegs per Satellitentelefon

Update: 18.12.2016 – 14°28.4N 46°21.4W

Wir zählen die Tage runter. Es wird realistisch, bis zum Morgen des 24. anzukommen. Das wäre klasse, dann hätten wir nicht das Problem mit geschlossenen Einwanderungsbehörden und sonstigen Ämtern zum Einklarieren. Außerdem könnten wir uns noch um ein Festessen kümmern, mal schauen ob es eine Bar oder unsere Kombüse wird. Es sind zwar noch immer 750sm voraus, was eine Planung vage macht, der Wind ist aber nach wie vor stark und die Wellen werden immer höher. Inzwischen wird 30 Knoten scheinbarer Wind, also plus Fahrt, kaum noch unterschritten und die Böen steigen auf über 40 Knoten. Mit winzig eingerollter 7qm Genua laufen wir unser normales Etmal. Das Meer schäumt um uns herum. Der Wind kann also noch drastisch nachlassen und wir könnten unseren Schnitt trotzdem halten. Das 2. Vorsegel sollte bald auch nochmal hochgezogen werden. Wir vermuten, dass einige fliegende Fische den Weg ins angelaschte Segel gefunden haben. Ausschütteln bevor sie steinhart getrocknet und festkleben wäre angebracht. Aber nicht bei dem Wind, das Segel würde uns um die Ohren hauen! Außerdem haben wir noch einige Kanister an Diesel, sieht also positiv aus, den Rückflug der zwei Mitsegler sowie Steffis Ankunft zu schaffen. Das beruhigt, muss sich Steffi dann nicht mit 70kg Gepäck und zwei Kindern erstmal ein Hotel suchen.

Gestern war an Bord irgendwie stimmungsmäßig Flaute. Ich glaube unser schlechter Schlaf aufgrund des Schaukelns und das Halbzeitfest hat zu sehr geschlaucht. Andreas wollte den Sprung auf 1000sm noch zu fahrenden Seestrecke per Kamera auf dem Plotter festhalten. Es hat unfassbar lange gedauert bis von 1001sm der Zähler endlich auf 1000sm sprang. Naja, eigentlich nur 10 Minuten, darauf allerdings zu achten zog sich wie Kaugummi. Mir schoss es die ganze Zeit durch den Kopf… das noch 1000 Mal? Dann packte mich gestern Nachmittag nochmal die Lust, die Stimmung mit der Kamera einzufangen. Nach dem 2. Video gab ich auf… hatte ich doch alles schon mal aufgenommen und die Wellenberge kommen eh nicht rüber. So verging der Tag mit dösen.

Abends packte Andreas einen Segelfilm aus, den ich vor Jahren schon eimal geschaut hatte. Johannes Erdmann – Allein über den Atlantik. Das hob meine Stimmung wieder, da ich mich an meine damaligen Gedanken erinnerte. Was für ein Abenteuer, wie unerreichbar… und nun sehe ich die gleichen Wellenberge und unser Schiff schaukelt ähnlich erbarmungslos über den Atlantik. Tja, sag niemals nie… das hätte ich damals nicht gedacht. Andreas, unser Kameramann, schafft es hingegen viel Videomaterial zu sammeln. Er hat schon einige seiner vergangenen Reisen durch Schottland oder die Ostsee zu schönen Törn-Filmen zusammengefasst (www.slisand.blogspot.com) Ich freue mich auf unseren Film und hoffe so, dass auch Steffi, die den Törn leider ja nicht mitmachen konnte, ein wenig Stimmung mitbekommt.

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