Atlantiküberquerung von Kap Verden nach Barbados – Unterwegs per Satellitentelefon

Update 16.12.16 – Position: 15°12.9N 42°28.6W

Die Mitte unserer Reise seit den Kap Verden ist erreicht. Bergfest ist auf See eigentlich ein falscher Begriff… ist recht flach hier. Ein gerader Strich auf der Seekarte 1000 sm in jede Richtung, 1800 km! Das nächstgelegene Land liegt südwestlich von uns, French Guyana mit 860 sm. Naja, eigentlich ist das nächste Land nur 5 km entfernt und liegt unter uns. Wenn man anfängt darüber nachzudenken, sitzt man auf einer sehr kleinen Nussschale irgendwo im Nirgendwo, wo man eigentlich nichts zu suchen hat. Liegt man in der Koje und die Wellen klatschen neben einem gegen den Rumpf, denkt man lieber nicht drüber nach, das nur knapp 1,5 cm dickes Plastik einen am Schwimmen hält. Fühlt sich verdammt wenig an. Wenigstens würden die Berge an Windeln, die wir in der Vorschiffskoje gebunkert haben, das Boot bestimmt am Schwimmen halten.

Das sind Gedanken, die mir gelegentlich nachts kommen, wenn wieder eine Welle knallend gegen den Rumpf schlägt und ich durch die Koje gepfeffert werde. Eigentlich fühlen wir uns aber sehr wohl, denn unsere Lady tut ihren Dienst bravourös. Ganz so alleine sind wir auch nicht, denn vermutlich würde fast zu jeder Zeit irgendein Schiff antworten, wenn man in die Funke fragt. Viele Segler oder Motoryachten sind auf unserer Strecke unterwegs. Nein, schlimme Gedanken sind an Bord eigentlich kaum vorhanden. Dafür läuft es zu gut und wir vertrauen dem Schiff und uns. Aber sich die Dimensionen vor Augen zu halten, gehört mit zur Reise. So einsam und auf sich gestellt ist man ja nicht oft. Ein Stückweit hat mich dieses Gefühl auch an der Reise und Strecke gereizt. Ich bin verantwortlich, dass mein Schiff hält und dass ich ankomme. Kann beängstigend sein, mich motiviert es eher. Ich freue mich auf die Ankunft und das Gefühl, die Strecke gemeistert zu haben. Hoffentlich bleibt die zweite Hälfte so „ereignislos“ wie die erste.

Ich merke wie die Tage auf See, die Routine und der gleichbleibende Ausblick meinen Kopf langsam leert oder vielmehr entspannt. Stundenlang kann ich am Steuer sitzen, die See beobachten oder Löcher in die Wolken schauen. Das warme Wetter und Rauschen des Wassers trägt seinen Beitrag dazu bei, wenn man entspannt im Cockpit liegt. Mir wird nicht langweilig. Vielmehr werden meine Gedanken klarer und beschäftigen sich recht zielstrebig mit einem Thema. Und irgendwie ist man verdammt weit weg vom Alltag, auch von der Familie und ich fange an, wie ein Beobachter die letzten Wochen und Monate zu betrachten. Wann hatte ich dafür mal Zeit, meine Gedanken kreisen zu lassen oder mich in den Wellenbergen zu vergessen. Einerseits scheint sich die Strecke noch zu ziehen, andererseits merke ich einen Effekt bei mir durch die Dauer. Ich komme langsam an.

Langweilig ist mir nicht, wenn manchmal von der Welle genervt.

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