Atlantiküberquerung von Kap Verden nach Barbados – Unterwegs per Satellitentelefon

Update: 15.12.2016 – Position: 15°35.3N 40°0.9W

Hängen wir unsere Handtücher zum Trocknen auf, reicht es zusammen mit der Sprayhood, um uns auf gute 4 Knoten Fahrt zu bringen. Es herrscht Wind, seit drei Tagen viel Wind! Konstant 7, in Böen bis 8 bf, also bis 40 Knoten von achtern treiben uns voran. Die Genua steht wie ein Brett am Backbordbug und wird tagsüber ein bisschen ausgerollt, nachts wieder reingeholt. Das Großsegel würde unser Rollen bestimmt stabilisieren, aber wenn wir so schon über 6 Knoten fahren und die Wellenberge immer höher werden, lassen wir uns lieber durchschaukeln, als das Material oder gar den Mast zu gefährden. Da haben wir lieber ein gut getrimmtes Boot, das selbst bei starken Böen sicher von der Windfahne auf Kurs gehalten wird. Nachts ziehen seit zwei Nächten Squalls durch, zum Glück bisher ohne Gewitter, dafür aber mit mächtig Wind und ein wenig Regen. Das Radar zeigt die Regenschauer bereits knapp 8 sm vor Ankunft an, so kann man das Segel rechtzeitig reffen.

Die erste Nacht dachte ich noch, den Regen nutzen zu können und endlich das Salzwasser von der Haut zu bekommen. Nachts um 3 Uhr stand ich also nackt im Cockpit und freute mich auf den rannahenden Regenschauer. Als es dann aber nur nieselte, der Wind aber drastisch zunahm, fühlte ich mich doch ein wenig komisch nackt durchs Cockpit zu flitzen und die Genua einzuholen, dabei auch noch ziemlich zu frieren. Andreas hatte den Wind bemerkt und schaute mir durch das verschlossene Luk amüsiert zu. Beim nächsten Squall behielt ich meine Klamotten an, denn wirklich zum Duschen reichte es eh nie.

Das Angeln haben wir auch sein gelassen. Bei diesen Wellen einen Fisch reinzuholen halten wir für zu gewagt. Teilweise stecken wir nachts ein Schott in den Niedergang, da manche Wellen steil direkt hinter unserem Heck mit tosendem Lärm brechen. Inzwischen wissen wir aber, dass sich das Heck entspannt immer noch über die Welle hebt und keine Gefahr besteht. Hoffen wir es bleibt so, denn die Welle soll zunehmen. Wer hat gesagt Passatsegeln ist eine angenehme 4? Naja, wir haben ein sehr stabiles Wetterfester und kommen so super voran, ohne den Diesel anschmeißen zu müssen. Ein stabiles Hoch nördlich von uns beschert konstantes Wetter und vielleicht schaffen wir es ja bis Heiligabend schon da zu sein. Unsere Etmale sind noch immer um 130 sm.

Ein neuer Wetterbericht erreicht uns meist über Satellitentelefon in Form von GRIB Files. Alternativ tauschen wir uns, wann immer ein anderes Boot in der Nähe ist, über Funk aus und bekommen so auch Infos über die Großwetterlage. Gestern überlegte meine Crew kurzzeitig, das Boot aufzugeben. Eine 97 Meter lange rumänische Luxusyacht auf dem Weg nach Barbados schiebte sich an uns vorbei. Wenn das nicht mal ein idealer Zeitpunkt wäre abgeborgen zu werden. Sven bestand darauf, erst die Zusammensetzung der Crew zu erfragen. Da der Kapitän aber eher mürrisch war, trauten wir uns nicht weiter zu fragen. Ohne Zweifel trägt unsere Lady uns auch die letzen 1100 sm sicher weiter. Morgen ist Bergfest, der Sekt ist kaltgestellt.

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