Atlantiküberquerung von Kap Verden nach Barbados – Unterwegs per Satellitentelefon


Update: 12.12.2016 – 15°41.7N 33°24.3W

Gut, dass wir uns gestern erholt haben. Um Mitternacht haben wir uns entschieden, die Segel zu bergen und nur ein Stück der Genua mit kürzerem Baum draußen zu lassen. Der Wind nahm auf gute 30 Knoten zu und die See wurde rauer. Eigentlich ist das Schaukeln nicht das Problem, warum ich nicht schlafe. Vielmehr die Geräusche halten mich wach. Ich merke, wie ich doch auf alles höre, und bei jedem neuen Geräusch erstmal meinen Kopf aus der Luke stecke und Sven oder Andreas frage, ob alles okay ist. Also reine Kopfsache. Das Boot läuft unter Windfahne nämlich super. Irgendwann ist es mir zu bunt und ich stecke mir Kopfhörer in die Ohren. Unweigerlich fange ich an zu grinsen, da ohne Geräusche das Schaukeln fast etwas komisches hat. Ich liege in der großen Achterkabine quer zur Schiffsachse und rutsche ab und zu mit Kopf oder Füßen voran durch die Kabine. Ich grinse weiter – was ein Erlebnis. Ich fühle mich sehr wohl in der geräumig gemütlichen Kabine und genieße sogar das Schaukeln. Ich merke die Schwere des Schiffs. Es fühlt sich sicher an, und dass es weitaus mehr abkann. Ich grinse und freue mich über das Vertrauen. Schnell schlafe ich ein.

Bisher hält sich der Wind auch tagsüber und es fangen an, sich Wellen mit gut über 2 Meter auszubilden. Ein tolles Schauspiel zu beobachten, wie aufgewühlt die See ist und Wände blauestem Wasser aufs Heck zu rollen. Manche brechen sich oder klatschen gegen die Bordwand. Durch die Rumpffenster schaut es manchmal aus wie ein Blick in die Waschmschine. Wir machen gut Fahrt und keilen uns in die Cockpitbänke, schauen den Wellenbergen zu. Das Mittelcockpit lässt uns weit weg von der See sitzen und ich merke wieder das Gefühl aus der Nacht. Vertrauen ins Schiff und auch in unsere Einschätzung. Bisher haben wir immer rechtzeitig gerefft und gehandelt. Man kann noch nicht von hohen Wellen oder rauhen Bedingungen sprechen. Inzwischen sind wir aber schon weit weg vom Land und könnten die Strecke kaum gegenan zurücksegeln. Komme was wolle, 1500 sm liegen noch vor uns! Wann hat man schon mal eine Situation, durch die man einfach muss. Die Nacht habe ich mich im Halbschlaf immer wieder aufgeregt, warum wir denn nicht einfach mal anhalten. Es muss doch bald mal eine Raststätte kommen. Als ich wach wurde, musste ich wieder grinsen, als ich merkte, dass ich nicht auf dem Beifahrersitz eingeschlafen bin. So wirds weiter gehen und mit einer Reisegeschwindigkeit langsamer als ein Fahrrad, werden wir auf der Strecke noch viel erleben.

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