Angekommen – die Biskaya liegt hinter uns

Wir sind in Spanien, La Coruna! Endlich haben wir den Sommer gefunden. Die dicken Jacken werden im Schrank verstaut und die kurzen Hosen hervorgekramt! Ein ganz neues Lebensgefühl kommt auf. Spanien lässt uns aufatmen und entspannen. Die anstrengendste Zeit liegt nun (hoffentlich) hinter uns. Die nächsten Wochen wollen wir entspannt von Bucht zu Bucht hoppen und die vergangenen Wochen erst einmal verarbeiten. Viel haben wir erlebt in den letzten Wochen.

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Von den traumhaften Kanalinseln ging es über Nacht Richtung Bretagne. Roscoff war unser Ziel. Wir segelten mit Wind von hinten und konnten unsere Passatbesegelung ausprobieren, die auch hervorragend funktionierte. Die Windrichtung ermöglichte uns zum ersten Mal ein richtiges Leben an Bord auch unter Segeln. Wir genossen mit unseren Kindern an Deck einen traumhaften Sonnenuntergang. Ich packte erstmalig mein kleines Akkordeon aus und sang während wir dahinplätscherten mit Javik lustige Kinderlieder. In der Nacht teilten Ben und ich uns die Wache und vertrödelten uns die Zeit abwechselnd mit Filme oder Sternschnuppen gucken. Berauscht von der Fahrt kamen wir morgens in Roscoff und der Bretagne an.

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In Roscoff besuchten uns Bens Eltern für ein paar Tage. Wieder einmal war viel zu tun. Ein Großeinkauf und Bootsvorbereitungen für die Biskaya nahmen die Hälfte der Besuchszeit in Anspruch. Endlich schaffte Ben es dank Hilfe seines Vaters viele offene Punkte der Boots To-Do-Liste zu erledigen. Die Staukiste der noch zu installierenden Dinge im Salon war die letzten Wochen für ihn immer ein Graus zu sehen und wurde letztendlich einfach versteckt. Es war keine Muße da, das ganze Werkzeug erneut auszupacken und das Boot in ein unbegehbares Schlachtfeld zu verwandeln. Zu zweit arbeitet es sich einfach netter! Gerade als der Salzwasseranschluss in der Küche fertig installiert ist, fängt Junus an, sich an der Abtrennung der Küchenzeile hoch zu ziehen und den Wasserhahn als perfekten Haltegriff zu malträtieren. Naja, freuen wir uns halt, dass er Stehen gelernt hat! Salzwasser zum Vorspülen gab‘s ja vorher auch nicht! Erst nach der Abfahrt von Bens Eltern merkten wir, dass wir doch gerne mehr Zeit mit der Familie zusammen verbracht hätten anstatt am Boot zu arbeiten.

sy_ladysunshine_roscoffDie bevorstehende Fahrt über die Biskaya machte uns doch etwas nervös. Jeden Tag wurde das Wetter studiert und überlegt, wann wohl der richtige Zeitpunkt wäre. Wir waren schon seit längerem am Überlegen, ob wir die Dreitages-Fahrt als Familie in Angriff nehmen wollen oder doch lieber einen dritten Erwachsenen an Bord nehmen, um für Ben etwas seglerische Unterstützung zu bekommen. Letztendlich entschieden wir uns dafür, auch diese Etappe als Familie zu meistern. Das Wetter sah entsprechend gut und für die nächsten Tage sehr stabil aus. Wir starteten morgens um halb neun in Roscoff zusammen mit der Herr Nielson. Ein gutes Gefühl nicht ganz allein zu starten! Geplant war gegen Abend noch einen Stopp in einer Ankerbucht einzulegen und am nächsten Morgen, den Sprung über die Biskaya zu wagen. Wir kamen gut voran, meisterten das Kap vor Brest zwar mit hohen Wellen, aber das waren wir ja schon vom Ärmelkanal gewöhnt. Nach dem Kap wurde die See ruhig. Wir änderten deshalb unsere Pläne und entschieden, einfach weiter zu fahren, auch ohne die Herr Nielson. Schnell wurde auf See noch ein großer Topf Chili gekocht, unser obligatorisches Seeessen. Javik sang beim Kochen munter „Es gibt kein Chili“ von Slim & Slam und tanzte mit seiner „Tanzmütze“ auf dem Kopf im Salon umher. Wir waren also guter Stimmung und freuten uns auf unsere Biskaya Überquerung.

Das Hochgefühl war leider nur von kurzer Dauer. Bevor wir auf offene See trafen, mussten wir noch eine Inselgruppe durchqueren. Nach Bens Stromberechnungen kein Problem. Nur irgendwie stimmten seine ganzen Strömungsdaten nicht und wir kamen plötzlich in einen Gegenstrom von 7kn und bewegten uns mit voller Besegelung und Motor auf Vollleistung in der Tat 0 Knoten vorwärts. Wir standen also auf der Stelle! Wir brauchten etwa vier Stunden bis wir wieder in die richtige Richtung fahren konnten. Sehr nervenaufreibend. Ben vermutete sogar unser Propeller wäre abgefallen, weil er es sich einfach nicht erklären konnte.

Bei Sonnenuntergang konnten wir dann endlich unser Ziel La Coruna in Spanien anpeilen. Ein blutroter Mond tauchte aus dem Meer heraus und bescherte uns wieder einmal eine angenehme Nachtfahrt mit einem Sternenhimmel, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Der erste Tag auf der Biskaya war recht unspektakulär. Es war kein Wind, so dass wir weiter unter Motor fuhren. Gegen Nachmittag drehte der Wind endlich, so dass wir unter Halbwind nur so dahinrauschten. Im Nachhinein verschwimmen die vier Tage auf See. Unterwegs ist eigentlich nicht viel passiert und doch war es ein einmaliges Erlebnis. Die langen Atlantikwellen waren neu für uns. Unsere Kinder waren zum Glück sehr seefest. Junus hat die Etappe am besten weggesteckt und auch Javik machte die Schaukelei nichts aus. Unser großer Topf Chili blieb allerdings fast unangerührt, wirklich Appetit hatte keiner von uns.

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Mitten auf See besuchte uns eine Herde Delphine und schwamm eine Stunde neben uns her. Ein tolles Spektakel für Javik. Wir freuten uns über die Abwechslung! Bis auf die letzte Nachfahrt hatten wir wirklich traumhafte Bedingungen und konnten sogar gut segeln. Die letzte Nacht vor der spanischen Küste war allerdings sehr schaukelig und Junus und Javik rollten nur so durch ihre Kojen. Also legte ich mich mit beiden Kindern im Arm in die Leekoje und versuchte, irgendwie Schlaf zu finden, während Ben draußen mit Wellen kämpfte und am Horizont ein aufziehendes Gewitter mit Sorge beobachtete. Zum Glück hatten wir außer der Schaukelei und recht viel Wind von hinten keine weiteren Probleme. Morgens um 11 erreichten wir nach drei Tagen und drei Nächsten nonstop auf See sehr sehr glücklich das spanische Festland! Wir haben es geschafft, zu viert, nur wir als Familie. Stolz gingen wir von Bord, packten Javiks Roller aus (Rollerfahren war sein größter Wunsch seitdem er das spanische Festland sah) und erkundeten die Stadt. Schlaf wird wirklich überbewertet, vor allem, wenn man mit kleinen Kindern auf Reisen ist 😉

(Fotos u.a. von Markus Lübeck)

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