Alltag auf der Lady

Seit 8 Monaten sind wir nun am Reisen und leben auf unserem Boot. Unter den Seglern heißt es, es dauert etwa ein Jahr bis man sich tatsächlich auf einem Segelboot eingerichtet hat und heimisch fühlt. Mir scheint es, als würde das Einrichten, Umbauen, Optimieren, Reparieren nicht aufhören, aber wir haben ja auch noch vier Monate Zeit dafür.

Letzten Monat haben wir uns nach wochenlangem Kopfzerbrechen für den Kauf eines Watermakers entschieden, da wir günstig einen gebraucht angeboten bekommen haben. Der Einbau war natürlich wieder einmal nicht so simpel wie gedacht, doch letztendlich nach einigem Fluchen von Ben – oh Wunder –  doch erfolgreich! Jetzt ist es herrlich, das selbstproduzierte Wasser zu trinken. Das lästige Schleppen von schweren Wasserflaschen fällt endlich weg und wir sind wieder ein Stück mehr autark unterwegs. Außerdem ist selbst Wasser hier teilweise so teuer, dass sich die Investition nahezu rechnet.

Das zweite Bauprojekt der letzten Wochen bereitete uns ebenfalls großes Kopfzerbrechen. Unser Wirbelwind Junus ist mittlerweile zu einem meisterhaften Ausbrecher und Klettermaxe herangewachsen. Ein neues ausbruchsicheres Bettchen musste also her, das gleichzeitig als Laufstall und sicherer Aufbewahrungsort für den Tag dienen soll. Die ersten Testläufe waren leider äußerst frustrierend für uns Eltern und sichtlich amüsierend für Junus. Alle gut durchdachten Absperrungen wurden letztendlich von ihm bezwungen, jedes noch so kleinste Löchlein genutzt für einen Ausbruch, jede noch so kleine Trittstufe für die Überwindung seiner neuen Hindernisse erspäht. Schon erstaunlich wie erfinderisch und eifrig Einjährige doch beim Überwinden von Hindernissen sind.

Unser Ausflug mit dem Mietwagen auf Martinique führte uns deshalb nicht nur in die Berge zum Wandern, sondern ebenfalls einen halben Tag in einen Baumarkt. Insgesamt haben wir jetzt drei Hindernisparcours für Junus. Der Salon links dient als Laufstall und Bett. Der Niedergang ist durch eine extra Barriere noch einmal gesichert, leider auch eine ziemliche Stolperfalle für alle anderen Bootsbewohner. Und unsere Achterkabine, die oft als Spielwiese für unsere kleinen Tyrannen dient, ist ebenfalls durch ein Netz als Rausfallschutz gesichert. Unsere aktuelle Lösung lässt hoffen, auf etwas mehr Ruhe und freie Hände im Bootsalltag. Was ein Akt! Wer andere Ideen und Erfahrungen bzgl. Kleinkindsicherung an Bord hat, kann sich gerne bei uns melden! Panzertape und um den Mast kleben wurde schon erprobt und ist nicht stark genug 😉

Hier unser erster Versuch aus dem englischen Kanal:

Das Reisen ist für uns also momentan zur Nebensache geworden, Alltagsfragen und das Leben auf dem Boot mit all seinen zeitraubenden Tätigkeiten nimmt oft die Tage ein. Das Erkunden von immer neuen Orten, Buchten, Stränden, Inseln oder sogar Ländern macht dazu oft müde und ist anstrengend. Die Fragen am neuen Ankunftsort sind stets die gleichen: Wo geht es zum Einklarieren? Wo ist der nächste Supermarkt? Wo kann man Wasser oder Diesel tanken, die Wäsche waschen? Wo ist der nächste W-LAN Hotspot? Wenn man alles erledigt und die Gegend erkundet hat, geht’s auch schon weiter zum nächsten Spot und die Fragen werden erneut gestellt. Vielleicht sind das erste Zeichen einer Reisemüdigkeit. Oder einfach der Alltag, der schlaucht. Das Leben auf unserem Schiff ist getaktet und jede Aufgabe nimmt viel Zeit in Anspruch. Teilweise müssen wir uns wirklich vornehmen, morgen dann mal wieder die Gegend zu erkunden oder einen Strandtag einzulegen.

Unser nächstes Ziel ist gerade Barbuda. Wieder eine neue Insel, aber diesmal keine Fragen. Einklariert haben wir bereits in Antigua. Einen Supermarkt gibt es dort nicht. Wasser oder Diesel auch nicht. Unsere Wäsche könnten wir nur im Meerwasser waschen und W-LAN existiert wohl auch nicht. Die einzige Frage ist nur, wird es uns dort gefallen? Wir hoffen, so lange zu verweilen, bis wir irgendwann wieder fragen müssen: „Wo ist die nächste Einkaufsmöglichkeit?“.

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