Die Lady wird fit gemacht

Ein großer Haufen von Werkzeug und Material steht im Keller bereit. Fünf Tage fahre ich zur Lady, um die Vorbereitungen des Schiffs zu beginnen. Klingt wenig bei der Menge an Krams und Projekten. Aus Erfahrung weiß ich noch, dass letztendlich von der langen Projektliste doch nur ein Teil umgesetzt wird. Vieles ergibt sich von selbst oder wird doch als unnütz betrachtet. Das sind die schönsten Punkte, die von der Liste gestrichen werden können. Schnell und mit gutem Gewissen einen Haken an den Punkt. Zeit und Geld obendrein gespart. Die unschönen Punkte sind die, die man einsieht, nicht mehr zu schaffen, der Luxus, die zu komplexen. Hoffentlich stoße ich nicht auf zu viele von denen. Ist immer frustrierend.

Meine Strategie ist die: erstmal ein Projekt mit Erfolgschancen starten, bei dem das Ergebnis sichtbar ist und man möglichst viele andere Bereiche des Bootes inspizieren kann. Sozusagen ein vorsichtiges Rantasten. Ich entscheide mich für die Verlegung der Netzwerkkomponenten sowie Funk und AIS aus der vorderen Navi-EckeMittschiffs zum Verteilerschrank. Schließlich soll die vordere Koje Javiks „Spielzimmer“ werden. Da sollte vielleicht kein Funkgerät in Reichweite hängen oder wichtiges Equipment im Schrank versteckt sein. Das lädt den Kleinen nur zum Spielen ein. Hierbei muss ich sämtliche Kabelstränge nach vorne ins Schiff einmal in die Hand nehmen. Außerdem wars das dann erstmal mit dem Vorschiff. Die ganzen Polster und restlichen Materialien können dann dort gelagert werden und verschaffen mir Platz, um im restlichen Schiff zu arbeiten.

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Zwar ist die Lady ein recht neues Schiff und gebaut für Langfahrt. An unsere Bedürfnisse angepasst ist sie aber noch nicht. Vor allem dem Aspekt Sicherheit ist es geschuldet, dass erstmal sämtliche an Bord befindlichen Systeme gefunden, verstanden, kontrolliert und ggf. verbessert werden müssen. Allem voran muss ich mich um die Elektrik kümmern, da das System um einige Verbraucher erweitert werden muss. Eine größere Verbraucher-Batteriebank sowie Solar- und Windgeneratoren sollen auch noch integriert werden, was neue Ladetechnik und Verschalung nötig macht.

Als ich alle Kabel aus dem Schaltpaneele gezogen habe, fühlt es sich an wie im Bauch eines Wales. Die Kabel quillen wie Eingeweide aus dem Schrank. Aus jeder Ritze Kabelenden! Aber, es tut gut Ordnung zu schaffen. Meistens ist es einfacher, habe ich schon häufiger festgestellt, alles neu zu machen als an bestehenden Dingen rum zu basteln. So kann ich auch Aderendhülsen und Schrumpfschläuche installieren und neue Verknüpfungen für die knapp bemessene Anzahl der Schalter bestimmen.

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Als nächstes steht das Badezimmer an. Einmal schleifen, denn es soll fürs Duschen versiegelt und ums Klo herum weiß gestrichen werden. Aufgeräumt lassen sich auch viel besser neue Regale integrieren, sonst gäbe es viel verschwendeten Raum hinterm Klo. Zwei flexible Wassertanks mit neuer Wasser-Verschaltung in der Bilge, sowie manuelle Fußwasserpumpen für Salz- oder Süßwasser sind als nächstes dran.

Das ganze Kriechen schlaucht! Überall blaue Flecken und die Hände voll von kleinen Schnitten und Abschürfungen. Wenigstens wärmt der Heizlüfter die Kabine vernünftig auf. Als es dann mal aufhört zu regnen, kann ich mich den Projekten im Außenbereich widmen. Tut gut am Tag auch mal raus zu kommen und nicht zu kriechen. Das Unterwasserschiff muss für ein neues Antifouling vorbereitet werden und ich probiere mich beim Abziehen oder Abschleifen. Beides schweißtreibende Arbeiten, vielleicht findet sich noch eine bessere Lösung!

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Das letzte Projekt der vier Tage soll der Steuerstand sein. Die aktuelle Größe erlaubt nur zwei Erwachsenen ein bequemes Sitzen auf der Cockpitbank, von einem Tisch ganz zu schweigen. Steffis Wunsch nach idyllischem Abendessen beim Sonnenuntergang in der Ankerbucht steht der massive vordere Teil der Säule im Weg. Klar, die Instrumente hier sind nett, aber hoffentlich sitzen wir ja gar nicht so viel direkt am Steuer. Schweren Herzens packe ich die Flex und trenne den vorderen Teil ab. Für die Statik hatte der eh keinen Einfluss, also alles wie gehabt. Als der Brocken endlich abgeschnitten ist, fällt mir beim Betrachten des Ergebnisses ein Stein vom Herzen. Sieht gut aus und bringt viel Komfort ins Cockpit!

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Nun alles wieder in den Bulli packen – meine mobile Werkstatt und Heim für 5 Nächte – und ab nach Hause. Ob ich meine Isomatte zwischen Werkzeug und Materialkisten vermissen werde? Kalt war es zumindest nicht.

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