Atlantiküberquerung von Kap Verden nach Barbados – Angekommen

Update 24.12.2016 von Steffi

Passend zu Heiligabend sind Ben und Crew wohlbehalten in Barbados angekommen. Das schönste Weihnachtsgeschenk für uns alle Jetzt heißt es für mich in Deutschland auch endlich Koffer packen. Am 29. fliege ich mit den Kindern hinterher und bin schon ganz gespannt, was uns in der Karibik in den nächsten Monaten erwartet. Wir werden berichten 

Vielen Dank allen, die bei der Atlantiküberquerung mitgefiebert haben!

Steffi

Atlantiküberquerung von Kap Verden nach Barbados – Unterwegs per Satellitentelefon

Update 22.12.2016

Das kleine Waffelfest und die Waschparade gaben ein wenig Erholung nach der Aufregung. Der Rest bringt die kleine Wetterpause und die Stimmung an Bord ist positiv. Barbados ist langsam greifbar. Dennoch hat mir die Nacht sehr zugesetzt und die nächsten Schlafphasen liege ich unruhig in der Koje. Der Schreck steckt in den Knochen, ist Feuer an Bord mitunter das Schlimmste was passieren kann. Ich bin in der Situation im Kopf alle Notmaßnahmen bereits durchgegangen. Glück gehabt, da nun auch Gewissheit besteht, dass nichts Schaden genommen hat. Ich bin sehr froh, auf dem Schiff zu dritt unterwegs zu sein. Ich hatte auch mal ins Auge gefasst, das Boot alleine zu überführen. In dieser Welle möchte ich nicht das Schiff unkontrolliert der See überlassen und stockfinster die Wellenberge runter rauschen, während ich den Innenraum nach einem Brandherd absuche. Die Tour ist selbst zu dritt bereits anstrengend und ich bin heilfroh für die Entscheidung, zwei weitere Crewmitglieder zu haben. Schließlich hat Andreas auch bereits zweimal den Atlantik überquert und weitaus mehr Erfahrung. Generell ist das Credo an Bord sicher anzukommen. Wir sind uns zum Glück einig, dass wir lieber nur mit einer winzigen Genua fahren, auch wenn mehr Segelfläche natürlich uns eher ankommen ließe. Vermutlich sind die starken Böen und die See aber ausreichend, um einem klar zu zeigen, Risiko ist hier nicht angebracht! Wir haben großen Respekt!

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Update 20.12.2016 – Position 13°31N 53°33.5W

Hitze. Das erste Mal wird es drückend warm. Wir nähern uns der Karibik, der Wind hat heute zum ersten Mal seit Tagen nachgelassen und ab und zu lässt die Dünung, ein paar Stunden schaukelfreieres Leben an Bord zu. Unbeschreiblich, wenn man plötzlich merkt wie die Muskeln langsam realisieren, dass keine Gefahr des Wegrutschens und Umkippens besteht. Fast wie ein Erschlaffen. Leider nimmt zum Abend hin das Wetter wieder seinen gewohnten Lauf. Naja, wenigstens bleibt dann der Wind so, dass wir nicht motoren müssen.

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Update: 19.12.2016

Täglich grüßt das Murmeltier. Ich wache auf, weil ich wieder durch die Kabine fliege. Welle an die 6 Meter, Sturm, Sonne, super Ändi am Steuer. Sven im Winterschlaf. Erstmal essen. Irgendwie jeden Tag gleich. Puh… festhalten ist wieder angesagt. Aber nein, heute gibts Abwechslung! Es fängt nach meinem morgendlichen Toilettengang an. Als ich das Klo abpumpen will, halte ich plötzlich den Griff der Kolbenpumpe in der Hand. Darf nicht wahr sein, nicht einmal Pumpen wurde mir vergönnt. Wenigstens war ich auf dem Klo, denn ich bin es, der es nun ja auch auseinander bauen muss. Also Werkzeug raus, Schläuche, Eimer, Gasmaske, Handschuhe und rein ins Vergnügen. Nicht, dass das ganze im Hafen schon schwer genug gewesen wäre, die Welle erfordert eigentlich beide Hände permanent zum Festhalten. Es dauert ganze 2 Stunden bis ich alle Teile der Pumpe zusammen gefischt habe und alles wieder zusammen bauen kann. Danach wird erstmal alles gründlich geputzt. Inklusive einer ordentlichen Dusche am Heck. Ich bin schweißgebadet. Mann, die Wellen haben sich noch mehr aufgebaut und der Wind nimmt stetig zu.

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Update: 18.12.2016 – 14°28.4N 46°21.4W

Wir zählen die Tage runter. Es wird realistisch, bis zum Morgen des 24. anzukommen. Das wäre klasse, dann hätten wir nicht das Problem mit geschlossenen Einwanderungsbehörden und sonstigen Ämtern zum Einklarieren. Außerdem könnten wir uns noch um ein Festessen kümmern, mal schauen ob es eine Bar oder unsere Kombüse wird. Es sind zwar noch immer 750sm voraus, was eine Planung vage macht, der Wind ist aber nach wie vor stark und die Wellen werden immer höher. Inzwischen wird 30 Knoten scheinbarer Wind, also plus Fahrt, kaum noch unterschritten und die Böen steigen auf über 40 Knoten. Mit winzig eingerollter 7qm Genua laufen wir unser normales Etmal. Das Meer schäumt um uns herum. Der Wind kann also noch drastisch nachlassen und wir könnten unseren Schnitt trotzdem halten. Das 2. Vorsegel sollte bald auch nochmal hochgezogen werden. Wir vermuten, dass einige fliegende Fische den Weg ins angelaschte Segel gefunden haben. Ausschütteln bevor sie steinhart getrocknet und festkleben wäre angebracht. Aber nicht bei dem Wind, das Segel würde uns um die Ohren hauen! Außerdem haben wir noch einige Kanister an Diesel, sieht also positiv aus, den Rückflug der zwei Mitsegler sowie Steffis Ankunft zu schaffen. Das beruhigt, muss sich Steffi dann nicht mit 70kg Gepäck und zwei Kindern erstmal ein Hotel suchen.

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Update 16.12.16 – Position: 15°12.9N 42°28.6W

Die Mitte unserer Reise seit den Kap Verden ist erreicht. Bergfest ist auf See eigentlich ein falscher Begriff… ist recht flach hier. Ein gerader Strich auf der Seekarte 1000 sm in jede Richtung, 1800 km! Das nächstgelegene Land liegt südwestlich von uns, French Guyana mit 860 sm. Naja, eigentlich ist das nächste Land nur 5 km entfernt und liegt unter uns. Wenn man anfängt darüber nachzudenken, sitzt man auf einer sehr kleinen Nussschale irgendwo im Nirgendwo, wo man eigentlich nichts zu suchen hat. Liegt man in der Koje und die Wellen klatschen neben einem gegen den Rumpf, denkt man lieber nicht drüber nach, das nur knapp 1,5 cm dickes Plastik einen am Schwimmen hält. Fühlt sich verdammt wenig an. Wenigstens würden die Berge an Windeln, die wir in der Vorschiffskoje gebunkert haben, das Boot bestimmt am Schwimmen halten.

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Update: 15.12.2016 – Position: 15°35.3N 40°0.9W

Hängen wir unsere Handtücher zum Trocknen auf, reicht es zusammen mit der Sprayhood, um uns auf gute 4 Knoten Fahrt zu bringen. Es herrscht Wind, seit drei Tagen viel Wind! Konstant 7, in Böen bis 8 bf, also bis 40 Knoten von achtern treiben uns voran. Die Genua steht wie ein Brett am Backbordbug und wird tagsüber ein bisschen ausgerollt, nachts wieder reingeholt. Das Großsegel würde unser Rollen bestimmt stabilisieren, aber wenn wir so schon über 6 Knoten fahren und die Wellenberge immer höher werden, lassen wir uns lieber durchschaukeln, als das Material oder gar den Mast zu gefährden. Da haben wir lieber ein gut getrimmtes Boot, das selbst bei starken Böen sicher von der Windfahne auf Kurs gehalten wird. Nachts ziehen seit zwei Nächten Squalls durch, zum Glück bisher ohne Gewitter, dafür aber mit mächtig Wind und ein wenig Regen. Das Radar zeigt die Regenschauer bereits knapp 8 sm vor Ankunft an, so kann man das Segel rechtzeitig reffen.

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Update: 13.12.2016 – Position: 15°31.7N  35°34.6W


Endlich wieder Arbeit. Das Nichtstun ist vorbei. Der Wind hat seit einer Stunde endlich mal nachgelassen, sodass wir wieder die zweite Fock als Passatbeseglung setzen können. Da wir ja nun Äquator nah segeln, können wir so mit der zweiten Fock auch endlich den Südost-Passat mitnutzen Spaß bei Seite, der Wind kommt natürlich immer noch aus Nordost. Die Wellen haben auch endlich ein wenig nachgelassen, nachdem uns heute morgen regelrecht Hauswände verfolgt haben. Vielleicht kann ich nun auch Andreas überreden, nochmal ein Sauerteigbrot zu backen. Ansonsten pendelt sich unser Leben an Bord langsam ein und die Tage vergehen sehr angenehm. Jeder kocht nach Lust und Laune, es wird viel gedöst, gelesen und Musik gehört. Abends gibt es ab und zu eine Filmvorstellung mit Popcorn. Eine sehr surreale Stimmung, man taucht in den Film ein, alles ist dunkel und plötzlich realisiert man wieder, dass man mitten auf dem Ozean ist und nicht auf der heimische Couch.

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Update: 12.12.2016 – 15°41.7N 33°24.3W

Gut, dass wir uns gestern erholt haben. Um Mitternacht haben wir uns entschieden, die Segel zu bergen und nur ein Stück der Genua mit kürzerem Baum draußen zu lassen. Der Wind nahm auf gute 30 Knoten zu und die See wurde rauer. Eigentlich ist das Schaukeln nicht das Problem, warum ich nicht schlafe. Vielmehr die Geräusche halten mich wach. Ich merke, wie ich doch auf alles höre, und bei jedem neuen Geräusch erstmal meinen Kopf aus der Luke stecke und Sven oder Andreas frage, ob alles okay ist. Also reine Kopfsache. Das Boot läuft unter Windfahne nämlich super. Irgendwann ist es mir zu bunt und ich stecke mir Kopfhörer in die Ohren. Unweigerlich fange ich an zu grinsen, da ohne Geräusche das Schaukeln fast etwas komisches hat. Ich liege in der großen Achterkabine quer zur Schiffsachse und rutsche ab und zu mit Kopf oder Füßen voran durch die Kabine. Ich grinse weiter – was ein Erlebnis. Ich fühle mich sehr wohl in der geräumig gemütlichen Kabine und genieße sogar das Schaukeln. Ich merke die Schwere des Schiffs. Es fühlt sich sicher an, und dass es weitaus mehr abkann. Ich grinse und freue mich über das Vertrauen. Schnell schlafe ich ein.

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Update 11.12.16

Ein ereignisreicher Tag. Heute Morgen aufgestanden. Segel stehen noch wie vor 3 Tagen. Frühstück, duschen, Mittag essen, Mittagsschlaf, Abendessen, Wache startet. Drei Tage sind wir nun auf See. Die nächsten Tage werden so bleiben. Die Segel einmal hoch gezogen, das wars. Nur nachts wird die zweite ausgebaumte Fock eingepackt, da genug Wind ist und die Wache so angenehmer ist. Unser Etmal ist nach wie vor super. Zoome ich die Plotterkarte raus, muss ich aber ganz schön lang das Rädchen drehen, bis am Ende der gesteckten Strecke Barbados erscheint. Morgen werden wir 1/4 hinter uns haben. Ist schon sehr weit.

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